Die Chinesische Medizin und die meisten Psychotherapien der westlichen Welt haben eines gemeinsam. Sie lassen sich nicht auf dem Boden unserer westlichen Wissenschaft verstehen. Dies hat der Psychotherapie, insbesondere der Psychoanalyse, schweren Schaden zugefügt. Sie gilt noch immer als unwissenschaftlich, obwohl sie eine weltweit verwendete Methode darstellt.
Das Problem bei der chinesischen Medizin liegt darin, dass ihr Gedankensystem zerstört wird, wenn sie mit Methoden der westlichen Wissenschaft beforscht wird. Deshalb haben in den letzten Jahren engagierte Wissenschaftler eine Brücke zur chinesischen Medizin zu bauen versucht, welche auf Gedanken der Systemtheorie beruht
Trotzdem ist die Situation äußerst unbefriedigend, da sich der überwiegende Teil der Forschungsprojekte an der chinesischen Medizin strikt an Methoden der westlichen Wissenschaft orientiert, weil die Methodologie der chinesischen Medizin nicht bekannt ist, bzw. wenn sie teilweise bekannt ist, missverstanden wird.
Dies war für uns der Anreiz, in einem internationalen Kongress jene Spitzenwissenschaftler aus China, welche auf dem Boden der chinesischen Medizin Psychotherapie betreiben, einzuladen und sie mit unseren Psychotherapeuten in Diskussion zu bringen. Das Angebot an Vorträgen über chinesische Psychotherapie ist sehr vielfältig. Es reicht von Fragen der Grundlagenforschung über konkrete Behandlungswege und Behandlungserfolge bis zu einer Systematik der chinesischen Psychotherapie. Der Erkenntnisgewinn dieses Kongresses wird nicht nur in der Bereicherung unserer Psychotherapie durch Methoden, welche aus China stammen liegen, sondern die Diskussion der Grundlagen der chinesischen Medizin wird auch zeigen, in welchem Sinn sie als wissenschaftlich angesehen werden kann. Ein besonderes Resultat dieses Kongresses dürfte sein, dass aus dem Verständnis der andersartigen Wissenschaftsstruktur der chinesischen Medizin auch die Wissenschaftsstruktur der Psychoanalyse verständlich wird.
Ein besonderes Anliegen dieses Kongresses ist es, Psychotherapien und chinesische Medizin aus dem schillernden Bereich der Esoterik herauszunehmen und Methoden zu entwickeln, die dem – leider nicht seltenen – Dilettantismus wehren. Der Weg in die Esoterik wird überall dort beschritten, wo die wissenschaftstheoretische Aufarbeitung defizient ist bzw. unverständlich bleibt.
Die Vorträge sind frei zugänglich und werden in naher Zukunft publiziert werden.
